Kürbissuppe und die Abgründe der Hochkultur

Chris hatte sich für heute Kürbissuppe und dabei die Ruhe zu bewahren vorgenommen. Beides gelang hervorragend und übertrug sich überdies auf die gesamte Gruppe: So kochten wir alle entspannt wie noch nie, in geradezu familiärer Runde.

Neu dabei war Georg, ein Schachprofi, der allerdings wenig Interesse am komplexesten Spiel aller Zeiten (Go) zeigte, das ich in missionarischer Absicht mitgebracht hatte. Während Serhii und ich (Sina) dann einige Go-Partien spielten, wurde es plötzlich tiefsinnig und über verstörende Kultur-Erfahrungen philosophiert: Theater mit in Flammen aufgehenden Menschen, eine Oper, in der Schauspieler live ein Korsett in die Haut „gepierct“ bekamen und Opern, in denen Nacktheit zur Schau gestellt und gar der Sexualakt vollzogen wurde.

Wir diskutierten wer so etwas will oder braucht: die Regisseure, gar die Schauspieler selbst, oder doch die Zuschauer, die sonst gar nichts mehr spüren? Während dieser Erörterungen entstanden wie von magischer Hand schöne Knetfiguren, in die niemand etwas Obszönes hineininterpretieren könnte, außer man wollte unbedingt.
Die Kürbissuppe war sehr lecker.

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